Lerntherapeut-Lerntherapie

Christa Weber-Hellmann: „Jedes Kind hat seinen eigenen Lernweg“

Frau Weber-Hellmann, Sie sind Lerntherapeutin und Dozentin am IFLW. Was verstehen Sie unter Lerntherapie?

Lerntherapie bedeutet für mich: Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens des Schülers, Unterstützung bei der Lernmotivation und der Anstrengungsbereitschaft, Arbeiten an sinnvollen Lerninhalten, um Lernerfolge zu erzielen und Kooperation mit Eltern und Schule.

Warum sind Sie Lerntherapeutin geworden?

Während meiner aktiven Lehrertätigkeit habe ich mich verstärkt um Schüler mit Lernstörungen gekümmert. Meine Frage war immer: Welche Methoden und Programme greifen bei Schülern mit LRS und/oder Dyskalkulie? Dabei wurde mir klar, dass für diese Kinder das normale schulische Angebot nicht ausreicht. Schnell geraten sie in einen Teufelskreis aus Misserfolg und Versagen. Diese Schüler benötigen eine außerschulische Förderung durch eine Lerntherapeutin.

Auf welche Teilgebiete der Lerntherapie sind Sie spezialisiert?

Ich bin Lehrerin für Deutsch und Mathematik, spreche mehrere Fremdsprachen und habe mich auf Dyskalkulie, Legasthenie und Fremdsprachen-LRS im Bereich Englisch, Französisch und Spanisch spezialisiert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Den Vormittag verbringe ich mit Stundenvor- und -nachbereitungen, Schulbesuchen, Telefonaten, dem Schreiben von Gutachten sowie der Durchführung und Auswertung von Tests. Am Nachmittag arbeite ich mit den Schülern.

Ist Lerntherapie nachgefragt?

Seit dem Pisaschock stellen die Schulen erhöhte Anforderungen. Mit Hilfe neuer Tests werden Schüler mit einer Lernstörung immer frühzeitiger diagnostiziert. Deshalb empfehlen Lehrer verstärkt den Eltern, eine qualifizierte Lerntherapie für ihr Kind zu suchen, um ihm die Förderschule zu ersparen.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Jedes Kind hat seinen eigenen Lernweg. Den zu erkunden und gezielt zu helfen, ist ein tolles Erlebnis für das Kind und auch für mich. Dem Kind die Integration der emotionalen, kognitiven, physiologischen, schulischen und sozialen Bedingungen ermöglichen, die Lerninhalte so verständlich aufarbeiten, dass das Kind den Lernstoff versteht und nicht wieder vergisst, die großen Augen des Kindes beim Aha-Erlebnis sehen, den Kindern aus dem Teufelskreis des Misserfolgs und des Versagens heraushelfen und dabei beobachten, wie sie an Größe gewinnen und ihnen Schule auf einmal Spaß bringt – Das ist das Schönste!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christine Falk-Frühbrodt, M.A., Pädagogische Leiterin des IFLW bereits 2006.

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